35 Jahre kulturelle Vielfalt
für ein lebendiges Neuried


Anlässlich seines 35jährigen Bestehens lässt der K&K bei der gemeinsamen Freiluftausstellung mit dem Fotoclub Fürstenried-Neuried e.V. seine Veranstaltungen der vergangenen 35 Jahren auf fünf Tafeln Revue passieren:

  • Tafel 1 (1986 – 1991): Maxhofweg, gegenüber Pfarrkirche St. Nikolaus
  • Tafel 2 (1991 – 2000): Parkstraße, Einfahrt zum Parkplatz Sportzentrum
  • Tafel 3 (2002 - 2007): Franz-Schuster-Str. / Einmündung Maxhofweg
  • Tafel 4 (2008 – 2013): Planegger Straße, neben dem alten Rathaus
  • Tafel 5 (2014 - 2019): Haderner Weg / Einmündung Michlbauerstr.
Die Ausstellung lädt ein zum Wiedererkennen und Erinnern und dokumentiert die kulturelle Vielfalt des K&K-Programms. Zugleich ist sie eine Hommage an die Vorstandsmitglieder und Aktiven im K&K der vergangenen 35 Jahre.

35 Jahre ehrenamtliches Engagement


Aktive und Unterstützer der ersten 20 Jahre treffen sich zum Jubiliäum 2005
1985 regte der damalige Bürgermeister Ladislaus Wolowicz die Gründung eines Kulturvereins an, der die Sporthalle mit kulturellen Ereignissen erfüllen und das kulturelle Leben in Neuried bereichern sollte. 32 Gründungsmitglieder hoben am 24. Oktober 1985 den Kunst & Kultur in Neuried e.V. (kurz K&K) aus der Taufe.
Es ist nicht selbstverständlich, dass ein Kulturverein 35 Jahre lang besteht, schon gar nicht am Rande einer Großstadt mit einem riesigem Angebot. Und während im Umfeld Gemeinden dazu übergingen, aufwändig Kultursäle zu errichten und ihr kulturelles Leben mit erheblichem Mittelaufwand in die Hände angestellter Kultur- beauftragter zu legen, organisierte in Neuried der K&K sein weithin anerkanntes Kulturprogramm in der Mehrzweckhalle und später sogar in der Pausenhalle der Grundschule mit einem vergleichsweise geringen Gemeindezuschuss, den er in guten Jahren nicht einmal in Anspruch nahm.
Möglich war dies nur durch das außergewöhnliche ehrenamtliche Engagement der Vorstände und der Aktiven im K&K. Neben den umfangreichen Aufgaben für die Veranstaltungsplanung, Organisation und Werbung sowie die Vereinsverwaltung war der Vorstand bei der Durchführung zusammen mit den Aktiven auch körperlich gefordert: Die Bühne musste händisch auf- und abgebaut, Stühle, die schwergewichtige und sperrige Veranstaltungstechnik sowie Requisiten und Getränke wurden aus wechselnden Lagerräumen, teils treppauf, teils treppab geschleppt und aufgebaut. Symbolisch erhielten die Mitglieder des Veranstaltungsteams bei der Feier zum 30jährigen Jubiläum Duschtücher als Geschenk: Kultur in Neuried war Jahrzehnte lang eine wahrhaft schweißtreibende Angelegenheit.
Die Ausstellung ist daher zugleich eine Hommage an die Menschen, die die Idee des K&K, Kultur auf hohem Niveau vor der Haustür durch ehrenamtliches Engagement 35 Jahre lang erfolgreich weitergetragen und mit Leben erfüllt haben:

  • die Vorstandsmitglieder (namentlich im Anhang 2)
  • die Veranstaltungsteams,
  • die Helfer*innen, die bei Wind und Wetter die Veranstaltungsankündigungen in alle Briefkästen Neurieds und zum Teil darüber hinaus verteilten (sh. Anhang 1: „Gedanken einer Helferin“),
  • und die Aktiven, die die speziellen Zweige des K&K über die Jahre organisiert und koordiniert haben – den Literaturkreis, den Kunstkreis und die Ausstellungen in der „Kleinen Galerie“ in der Gemeindebücherei und im „KiSP“ im Sportpark.
Nicht zuletzt gilt der Dank auch den Mitgliedern, die die Ziele des Vereins durch ihre Mitgliedschaft unterstützt haben und unterstützen. Sie alle haben dazu beigetragen, aus dem K&K einen Kulturanbieter mit besonderem Charakter zu machen.

Ein Verein zum Wohlfühlen

In der Kulturszene erwarb sich der K&K einen guten Ruf als zuverlässiger Veranstalter und unter Künstlern sprach es sich herum, dass es sich in Neuried gut auftreten ließ. Viele der auftretenden Künstler*innen schätzten die familiäre Atmosphäre. Alle sollen sich beim K&K wohlfühlen: die Mitglieder, die Aktiven, die Besucher*innen der Veranstaltungen und die Künstler*innen. Der bekannte Kabarettist Claus von Wagner brachte das auf den Punkt:

"... wo hat man das heute noch. einen Kleinkunstabend mit Familienanschluss? Danke für die Wärme. Erkläre mich hiermit adoptiert!"
Claus von Wagner, Gästebucheintrag 2010

Wichtig ist dem K&K auch auf das Miteinander mit den Neurieder Vereinen. Seit 2008 zum Beispiel veranstaltet er gemeinsam mit der Nachbarschaftshilfe Neuried (NBH) jährlich die Konzerte „Klassik vor Ort“ mit dem Studentenorchester StOrch. Die Musikschule hilft unkompliziert aus, wenn für eine K&K-Veranstaltung etwa ein Flügel oder Notenständer benötigt werden. Der TSV stellte Jahre lang die großen Wände im Sportzentrum für die wechselnden Ausstellungen im KiSp (Kunst im Sportzentrum) als Ausstellungsfläche zur Verfügung. Und die Freiwillige Feuerwehr Neuried leistete zahllose Einsatzstunden für die Veranstaltungswachen bei K&K- Großveranstaltungen. Umgekehrt half der K&K bei Veranstaltungen anderen Vereinen mit seinem Veranstaltungsequipment oder auch mit tatkräftiger Hilfe aus. Eventuelle Terminkollisionen wurden auf dem kurzen Weg freundschaftlich bereinigt. Jüngstes Beispiel für das Miteinander ist die gemeinsame Freiluftausstellung mit dem Fotoclub Fürstenried-Neuried e.V.

Kulturelle Vielfalt auf hohem Niveau

Auf der Bühne wechselten sich bekannte Künstler mit solchen ab, die es lohnte sie kennen zu lernen. Dabei bewies der K&K ein gutes Gespür: Manche Künstler traten bereits beim K&K auf, bevor sie richtig bekannt wurden, wie zum Beispiel Django Asül, Erwin Pelzig, Claus von Wagner oder Martina Schwarzmann, die sich gerne erinnerte, sich beim K&K zum ersten Mal auf einem eigenen Plakat gesehen zu haben. Viele bekannte Größen waren mehrfach beim K&K zu Gast: Hermann Prey, Dieter Hildebrand, Jörg Hube, Gerhard Polt, Bruno Jonas, Fredl Fesl zum Beispiel. Mit deren ausverkauften Veranstaltungen konnte der K&K hochwertige, aber weniger besuchte Veranstaltungen finanzieren.
„I hob no net vui troffa im Leben, die am jungen Künstler die Gelegenheit gem, dass a auf bläd und wuid einfach moi spuid. A wennan no fast kona kennt und ma wooaß, dass eam s ́Publikum ned d ́Dia eirennt....wenns waar dad i scho moi wieda kemma“

Martina Schwarzmann, Gästebucheintrag 2001

Sein guter Ruf und die Bereitschaft, Chancen spontan zu ergreifen, ermöglichten dem K&K, auch rare kulturelle Schmankerl nach Neuried zu holen. Mehrere Gastspiele des Ukrainischen Staatschors Trembita etwa, eines Ensembles der absoluten Weltklasse, einen Auftritt des „Ersten Deutschen Zwangsensembles“ (2013) oder die hinreißende musikalische Lesung des Duos Marcus H. Rosenmüller und Stephan Zinner (2014). 2017 gelang es, den zufällig in Deutschland weilenden madagassischen Musikstar Dama Mahaleo zusammen mit Erick Manana nach Neuried zu holen. Zahlreiche in Deutschland lebende Madagass*innen, die ihre Stars hautnah erleben wollten und deren Songs begeistert mitsangen, schufen bei dem Konzert eine einzigartige Atmosphäre. Der K&K kann sich rühmen, einen leibhaftigen Präsidentschaftskandidaten zu Gast gehabt zu haben, da Mahaleo 2018 zu den Präsidentschaftswahlen in seiner Heimat kandidierte.
Beliebt waren auch die Führungen und Fahrten des K&K zu kulturell interessanten Zielen in die nähere Umgebung, aber auch in das Ausland. Dabei wollte er seinen Mitgliedern möglichst Führungen und Fahrten anbieten, wie sie auf dem Markt so nicht erhältlich waren. So zum Beispiel die vom Vorstand in Eigenregie organisierte Reise in den Iran (2000). Viele werden sich noch an die Führungen und Fahrten mit dem früheren Kassier Ludwig Reichert erinnern, die aufgrund seiner akribischen Vorbereitung, seinem fundierten Wissen und seiner humorvollen Art stets besondere Ereignisse waren. Exklusiv waren die Führungen mit dem seinerzeitigen bayerischen Finanzminister Georg Fahrenschon in den Schlössern Linderhof (2009) und Herrenchiemsee (2011) Die Begleitung durch Mitglieder der Schlossverwaltung vor Ort und ausgewiesener Geschichtsexperten vermittelte den K&K-Gruppen weiter gehende Einsichten, als dies bei öffentlichen Führungen möglich ist. Georg Fahrenschon öffnete auch den Teilnehmer*innen der K&K-Kulturfahrt „Hoch hinaus“ nach Frankfurt (2015) viele Türen. Vom Empfang im Kaisersaal des Frankfurter Römer bis hin zur Besichtigung des streng abgeschirmten Neubaus der Europäischen Zentralbank.
Auch andere außergewöhnliche Führungen hat der K&K Mitgliedern zu verdanken: einen Besuch auf der Tunnelbaustelle Luise-Kiesselbach-Platz (2012) oder für Kinder eine Führung in die Münchner Kanalisation (2012), spannende Besuche in der Feuerwehrschule (2015) und bei den Höhenrettern der Münchner Berufsfeuer-wehr (2018) sowie die Vorführung von Polizeihunden auf dem Pausenhof der Grundschule (2016). Auch bei anderen Führungen ließ der K&K zwischen 2011 und 2018 Kinder im Grundschulalter „hinter die Kulissen schauen“, beispielsweise im Nationaltheater, dem Münchner Marionettentheater, in der Straßenbahnwerkstatt, den Fernsehstudios Freimann, der Reptilienauffangstation oder in der Münchner Residenz.
Neben Veranstaltungen auf der Bühne und den Führungen und Fahrten rundeten spezielle Angebote das Kulturspektrum ab: Im Literaturkreis, der 2015 seine Aktivität nach über 28 Jahren und 286 Treffen leider einstellte, besprachen die Teilnehmer unter kompetenter Moderation Werke der Weltliteratur. Seit 1997 treffen sich im Kunstkreis im K&K aktive Künstler*innen zum Gedankenaustausch und zur Planung gemeinsamer Ausstellungen. Bis 2017 gab es zudem regelmäßige, wechselnde Ausstellungen in der Gemeindebücherei („Kleine Galerie“) und zeitweise im Sportzentrum des TSV („Kunst im Sportzentrum KiSp“). Darüber hinaus beteiligte sich der K&K an den Dorffesten jeweils mit einer kleinen kulturellen Attraktion.
Immer wieder erprobte der K&K Neuland: Unter seinen Fittichen organisierten Jugendliche in Eigenregie zwei Bandfestivals (2000 und 2002): von der Auswahl der Bands über die Einlasskontrolle und Bewirtung bis hin zur eigenhändigen Reinigung der Mehrzweckhalle nach dem Konzert. Bei der New-York Party (2001) in der alten Mehrzweckhalle versorgte eine komplette externe Profi-Küchenmannschaft die Besucher mit Speisen, während verschiedene Musiker*innen um den Neurieder Michael Samay ein abwechslungsreiches Programm boten. Die StOrch-Konzerte „Klassik vor Ort“, bei dem die Besucher an von der NBH liebevoll dekorierten Tischen bei einem Gläschen Wein oder anderen Getränken und von der NBH vorbereiteten kleinen Speisen Orchesterwerke genießen konnten, entsprangen einer spontanen Entscheidung in den Vorständen von K&K und NBH und wurden zur Tradition. Ein gelungenes Experiment für sich war die Entscheidung, das 50köpfige Studentenorchester in der Pausenhalle der Grundschule auftreten zu lassen, nachdem die Mehrzweckhalle gesperrt worden war. Ein so großes Orchester in einem vergleichsweise kleinen Raum, damit hatte in Neuried noch niemand Erfahrung.
oder_Foto_Konzert_2016_länglich

Herausforderungen gehören dazu

Naturgemäß gab es auch immer wieder einmal Zeitpunkte, an denen die Zukunft des K&K in Frage stand. Das tiefgreifendste Ereignis in der Geschichte des K&K vor Corona war die Sperrung der Mehrzweckhalle aus Sicherheitsgründen am 22.12.2010 und ihr späterer Abriss.
Ohne Vorwarnung stand der K&K von heute auf morgen ohne die Spielstätte da, die mit Leben zu füllen er 1985 gegründet worden war. Niemand ahnte damals, dass es Jahre dauern würde, bis wieder eine Halle zur Verfügung stand. Das Team aus Vorstand und Aktiven stellte sich den Herausforderungen, welche das Konzept K&K vor eine ernsthafte Belastungsprobe stellten. Manche für die Mehrzweckhalle vereinbarte Veranstaltungen mussten abgesagt werden. Darunter ein für 2012 vereinbarter Auftritt von Georg Schramm, den für einen Auftritt nach Neuried zu holen nicht einfach gewesen war. Der Auftritt beim K&K wäre sein letzter Auftritt seiner Bühnenkarriere gewesen, da er sich von der Bühne zurückzog!

Die Ungewissheit, wie lange die Halle gesperrt sein würde und später der wiederholt verschobene Eröffnungstermin der neuen Halle erschwerten über Jahre die Veranstaltungsplanung, weil nicht jede Veranstaltung für die Pausenhalle geeignet war und nicht jeder Künstler in ihr auftreten wollte. Zum Glück kamen auch bekannte Künstler aus Verbundenheit zum K&K teilweise mehrfach in die Pausenhalle und halfen so, die Durststrecke durchzustehen. Infolge der geringeren Platzkapazität ging die Kalkulation mit der Querfinanzierung kleinerer Ereignisse durch ausverkaufte Veranstaltungen allerdings nicht mehr auf. Und das Veranstaltungsteam wurde infolge weiterer Wege bis an die Belastungsgrenze in Anspruch genommen.
Die Freude war daher groß, als im Sommer 2016 die neue Mehrzweckhalle eröffnet wurde, mit einem freundlich wirkenden Besucherraum, einer festen Bühne und zeitgemäßer Bühnentechnik. Das Veranstaltungsteam atmete auf, weil zum ersten Mal in der Geschichte des K&K Bühne und Bühnentechnik nicht für jede Veranstaltung auf- und wieder abgebaut werden mussten. Es gelang, kurzfristig ein Programm für die Spielstätte auf die Beine zu stellen. Auch hier halfen die guten Kontakte. Das Theater in der Au entschied sich aus Verbundenheit mit dem K&K spontan, sein Paradestück vom Brandner Kaspar auf die neue Bühne zu bringen, obgleich es schon nicht mehr auf seinem Spielplan stand.
Darüber hinaus glaubte der Vorstand nun wieder langfristig planen zu können. Umso größer die Enttäuschung, als auch die neue Halle im Februar 2017 unvermittelt wieder gesperrt wurde. Eine schon ausverkaufte Veranstaltung mit Gerhard Polt, zu der sich sogar das bayerische Fernsehen angesagt hatte, musste abgesagt und die Karten aufwändig zurückgegeben werden. Die Belastung des Veranstaltungsteams nahm wieder erheblich zu und erreichte einen Höhepunkt, als der K&K die für die MZH geplante Zaubergala in den Pfarrsaal an der Maxhofstraße verlagern konnte. Andernfalls hätte die aufwändig geplante Veranstaltung entfallen müssen, da die Aula nicht geeignet gewesen wäre. Equipment und Getränke mussten nun zwischen Grundschule und Pfarrsaal hin- und her transportiert werden. Da niemand sagen konnte, wann die Halle wieder bespielbar sein würde, wurde es wieder schwieriger mit der Veranstaltungsplanung. Tatsächlich dauerte es bis Herbst 2019, bis wieder Veranstaltungen in der Mehrzweckhalle möglich waren.

Im Frühjahr 2020 kam dann Corona und brachte den Veranstaltungsbetrieb zum Erliegen. Es ist zu hoffen, dass auch die Zeit mit dem Virus nur eine Episode bleiben und der K&K noch viele Jahre mit kultureller Vielfalt zu einem lebendigen Neuried beitragen wird.